KARL-MAY-VERLAG
BAMBERG - RADEBEUL
BAMBERG - RADEBEUL
Karl May konnte die entscheidenden Schritte, die ihn später zum meistgelesenen deutschen Autor machen sollten, nicht mehr miterleben. Sein Verleger, Friedrich Ernst Fehsenfeld, hatte ihm seit 1892 durch die Idee der Gesammelten Reiseerzählungen, vor allem aber durch die einheitliche Ausstattung der zum Begriff gewordenen grünen Bände - die noch heute fast hundert Jahre später unverändert geblieben ist - zu einem überwältigenden Erfolg verholfen. Nun fand er jedoch keine geeigneten Mittel mehr, Mays verloren gegangene Popularität wieder neu zu beleben, und bemühte sich daher um den Verkauf der Verlagsrechte und Herstellungsunterlagen an eine andere Firma. Kurze Zeit nach dem Ableben ihres Mannes erinnerte sich die Witwe Klara May an den Wunsch ihres Gatten, den er gegenüber Dr. Euchar Schmid 1911 geäußert hatte, und setzte sich zur Erörterung der Frage, ob und in welcher Form er sich der Werke ihres Mannes annehmen könnte, mit ihm in Verbindung. Am 1. Juli 1913 wurde der Verlag unter der Firmierung Verlag der Karl May-Stiftung in Radebeul gegründet. Wenig später wurde der Name in Karl-May-Verlag Fehsenfeld & Co. umgeändert. Gesellschafter der OHG waren Mays bisheriger Verleger Fehsenfeld, der die Buchbestände und die Produktionsmittel in das neue Unternehmen einbrachte, Klara May, die Inhaberin der Rechte an Mays Werken, und Dr. Euchar Schmid als alleiniger Geschäftsführer des Verlages. |
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Sofort nach Verlagsgründung ergriff Dr. Schmid die notwendigen Maßnahmen, um die geplante Erweiterung der Gesammelten Reiseerzählungen zu Gesammelten Werken in die Wege zu leiten. Der wichtigste Schritt war der Erwerb aller verstreut liegenden Rechte an den Werken Karl Mays. Die von May geplante, aber durch seinen Tod vereitelte Neugestaltung der Münchmeyer-Romane stellte dabei die schwierigste Herausforderung dar. Bereits in einem Brief vom 19. Februar 1906 hatte Karl May diesbezüglich an F. E. Fehsenfeld geschrieben: Ich habe seinerzeit und wiederholt gesagt, daß diese Romane mir gehören, daß ich sie Münchmeyer nicht für immer gegeben habe, sondern daß sie für meine ,Gesammelten Werke bestimmt sind und daß Sie es also sind, der sie bekommen wird. Er selber konnte diese Pläne leider nicht mehr verwirklichen.
1916 gab Dr. Schmid den Band 34 Ich, einen wichtigen Grundstein zur Karl-May-Forschung heraus. Die darin enthaltene Autobiografie Mein Leben und Streben wurde behutsam bearbeitet, um das Wiederaufleben alter Streitigkeiten zu vermeiden, nachdem es Dr. Schmid eben erst gelungen war, Mays Prozesse (vor allem die Auseinandersetzungen mit dem Münchmeyer-Verlag) zu beenden. 1914 bis 1917 wurden als Bände 35 bis 41 jene Bücher angegliedert, die Karl May ausdrücklich für die Jugend bestimmt hatte und die zuvor im Union Verlag erschienen waren. Diese Bände bedeuteten für den Verleger in den ersten Jahren eine starke Belastung, da er für den Rückkauf der Rechte fünfundvierzigtausend Mark zu bezahlen hatte, eine Summe, die ihm Klara May lieh. Die hohen Auflagenziffern der Jugenderzählungen bestätigten die Richtigkeit der Verhaltensweise des Verlegers. Band 36 Der Schatz im Silbersee und Winnetou I wurden zu den meistgelesenen Grünen Bänden überhaupt. |
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1920 übernahm der Karl-May-Verlag die Herausgabe des seit 1918 bei Schottlaender in Breslau erschienenen Karl-May-Jahrbuchs, womit er sich ein Forum zur Rehabilitierung von May schuf und dessen Ansehen in der Öffentlichkeit festigte. Die Jahrbücher können als Markstein für den Beginn der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Karl Mays Werken bezeichnet werden. Bis 1920 hatte Karl May wieder eine große Lesergemeinde gewonnen, er war sogar populärer als je zuvor. 1921 schied Fehsenfeld gemäß Gesellschaftsvertrag von 1913 aus dem Karl-May-Verlag aus. Seine Vorstellungen über die weitere Arbeit für das Werk Karl Mays formulierte der Verleger Dr. E. A. Schmid 1921 im vierten Karl-May-Jahrbuch in einem Fünf-Punkte-Programm. Punkt 2 heißt: Die Angliederung des umfangreichen Nachlasses Karl Mays an die Gesammelten Werke. Drei solcher Nachlassbände (Bde. 42-44, die Erzählungen über den Alten Dessauer und Erzgebirgische Dorfgeschichten) erschienen bereits 1921. Die Texte aus vielen längst verschwundenen Zeitschriften zusammenzutragen, so weit in Mays Nachlass nicht noch Belegexemplare vorhanden waren, bereitete viel Mühe.
In den zwanziger Jahren zeigten die Verkaufszahlen trotz Inflation und Wirtschaftskrise eine steigende Tendenz. Der weitere Ausbau der Gesammelten Werke wurde zügig fortgesetzt. 1923 erschien im Anschluss an Karl Mays Am Jenseits von dem Mitarbeiter des Karl-May-Verlags Franz Kandolf (1886-1949) das im Geiste Mays verfasste Werk In Mekka. Auch für die Neubearbeitung der Kolportageromane leistete Kandolf wichtige Dienste.
1924/25 schien die Zeit reif zu sein, die Angliederung an die Gesammelten Werke nach Entfernung der von May monierten ominösen Zusätze vorzunehmen. Als Erstes wurde die Neufassung des Waldröschen (Bde. 51-55) vorgenommen, 1930 Die Liebe des Ulanen (Bde. 56-59), 1931 und 1933/34 Deutsche Herzen, deutsche Helden (Bde. 60-63), 1935 und 1939 Teil- und Haupthandlung aus Der verlorene Sohn (Bde. 64 und 65). Neben den Geographischen Predigten konnten 1926 die umfangreichen Romane Zepter und Hammer und Die Juweleninsel als Bde. 45 und 46 herausgebracht werden. |
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| Durch das geschickte Taktieren und das diplomatische Verhalten von Dr. Schmid gelang es, die Verlagsarbeit im Dritten Reich nahezu unbehelligt fortzusetzen. Bereits 1933 stellte Dr. Schmid das Erscheinen der Karl-May-Jahrbücher ein, da bei der sich abzeichnenden Einflussnahme der Herrschenden auf das Schrifttum die Unabhängigkeit dieses Karl-May-Forums nicht mehr gewährleistet war. Am 31. Dezember 1944 starb Karl Mays zweite Frau Klara. Sie vermachte ihren persönlichen Grundbesitz der Karl-May-Stiftung, die jetzt auch Teilhaberin am Verlag war. Gegen Ende des Krieges wurde das Radebeuler Unternehmen schwer getroffen. Bereits 1943 waren bei Bombenangriffen auf Leipzig, wo die Karl-May-Bände hergestellt wurden, das Lager erheblich geschädigt worden. Am 13./14. Februar 1945 ging die Stadt Dresden im Bombenhagel unter. Dabei wurden auch fast alle restlichen Buchbestände und Druckunterlagen des Verlages vernichtet. Bei der Besetzung des Landes nach der Kapitulation durch russische Truppen gingen in Radebeul viele wichtige Archivunterlagen und andere, die Karl-May-Forschung betreffende Materialien verloren. Eine Wiederaufnahme der Produktion in der sowjetischen Besatzungszone erwies sich als unmöglich. Karl May war zur unerwünschten Person geworden, und alle Anstrengungen des Verlages, eine Druckerlaubnis zu erhalten, waren vergeblich, obwohl die Bevölkerung geradezu stürmisch nach der Neuauflage der Werke von Karl May verlangte. 1947 leitete man erste Schritte ein, um eine Neubelebung in den Westsektoren zu ermöglichen. Joachim Schmid, bereits 1945 nach Abschluss einer Lehre als Buchhändler Gesellschafter im Karl-May-Verlag, übersiedelte nach Bamberg, wo sein Vater Kindheit und Jugendzeit verbracht hatte, und gründete am 1. Juli 1947 eine Vertretung des Unternehmens. Dem Globus Verlag in Hamburg wurde von Bamberg aus eine Lizenz zum Druck der ersten May-Ausgaben nach dem Krieg erteilt. 1948 vergab Joachim Schmid an den St. Otto-Verlag, später die Bayerische Verlagsanstalt, Bamberg, die Keysersche Verlagsbuchhandlung, Heidelberg, sowie den Verlag Carl Ueberreuter, Wien, die Rechte, unter dem Reihentitel Karl-May-Bücherei die beliebtesten Karl-May-Bände im grünen Gewand der Originalausgabe wieder zu veröffentlichen. Da auch noch im Jahre 1950 die Radebeuler Firma weder ihren Sitz nach Westdeutschland verlegen noch dort eine Filiale eröffnen konnte, wurde am 1. Januar der Verlag Joachim Schmid gegründet, der die Urheber- und Verlagsrechte an den Werken Karl Mays übertragen bekam.
Als sich im Osten Deutschlands auf längere Sicht keine Änderung der Lage zeigte, gründeten die Söhne Dr. Schmids am 1. Januar 1952 in Bamberg den USTAD-Verlag, der nun für den deutschsprachigen Raum an die Stelle des Radebeuler Unternehmens trat und Herstellung und Vertrieb der Gesammelten Werke übernahm, wobei auch die auf dem Markt noch fehlenden Bände wieder neu veröffentlicht wurden. 1959 übersiedelte Katharina Schmid, die Witwe des Verlagsgründers Dr. E. A. Schmid, ebenfalls nach Bamberg. 1958 bis 1960 erschienen unter der Herausgeberschaft von Roland Schmid die bearbeitete Neuauflage des letzten Kolportageromans Mays Der Weg zum Glück (Bde. 66-68), die Neugestaltung eines im Mittelalter angesiedelten Romanfragments Ritter und Rebellen (Bd. 69) und die Maysche Bearbeitung von Gabriel Ferrys Roman Der Waldläufer (Bd. 70).
Da an eine Fortführung der Verlagsarbeit unter den politischen Verhältnissen der DDR in Radebeul nicht zu denken war, erfolgte 1960 die Umsiedlung des Unternehmens in die Bundesrepublik Deutschland, also nach Bamberg, das nunmehr nach Verschmelzung mit der Schwesterfirma USTAD-Verlag als Karl-May-Verlag Joachim Schmid & Co. firmierte. Vom USTAD-Verlag übernahm man Buchbestände, Herstellungsunterlagen und alle Karl May betreffenden Verlagsgeschäfte. Im April 1959 hatten die schwierigen Verhandlungen mit der Karl-May-Stiftung begonnen. Sie endeten damit, dass diese mit ihrem Millionenvermögen aus dem Verlagsunternehmen ausschied und in Dresden verblieb. Nach Abfindung der Stiftung erwarb die Familie Schmid zudem das Inventar der Villa Shatterhand, insbesondere die wertvolle Bibliothek und das Arbeitszimmer Mays. Beides bildete später den Grundstock für das Bamberger Karl-May-Museum und wurde 1994 nach Radebeul rückgeführt. Ab 1960 brachte der Wiener Verlag Carl Ueberreuter eine lizenzierte Taschenbuch-Reihe heraus. Für die Warenhäuser gab es eine Ausgabe des TOSA-Verlags. In den sechziger Jahren erhielt die May-Forschung durch die Beiträge namhafter Karl-May-Experten (Heinz Stolte, Otto Forst-Battaglia, Hans-Otto Hatzig und Fritz Maschke) neue Impulse. Am 29. Dezember 1974 starb in Bamberg Katharina Schmid, die Witwe des Verlagsgründers Dr. E. A. Schmid. |
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Am 4. Januar 1990 verstarb überraschend Roland Schmid. Nach dem Ausscheiden von Joachim Schmid (gestorben am 10. Januar 2003) und der Erbengemeinschaft von Roland Schmid tritt Bernhard Schmid 1993 in den Verlag ein. Ab diesem Zeitpunkt erscheint unter der Herausgeberschaft von Lothar und Bernhard Schmid fast jedes Jahr ein weiteres Buch der Gesammelten Werke. Die Bände 75 - 78 umfassen Restbestände bisher gestrichener Teile der Kolportageromane. Band 79 Old Shatterhand in der Heimat bringt Fragmente und kleinere Erzählungen, wobei den Hauptteil das letzte größere, noch unveröffentlichte Manuskript aus Mays Nachlass In der Heimath (ein gestrichenes Kapitel aus Krüger Bei) ausmacht. Auf der See gefangen, Band 80, enthält u. a. Frühfassungen bekannter Wild-West-Erzählungen. Über Mays Weltreisen berichten die Karl-May-Experten Ekkehard Bartsch, Dr. Dieter Sudhoff und Dr. Hans Wollschläger in Band 82 In fernen Zonen. In dem 2001 erschienenen Band 83 Am Marterpfahl. Karl Mays Leidensweg finden sich die Streitschriften aus Mays Prozessjahren im Neusatz und kommentiert.
Ab 1997 firmierte der Verlag unter "Karl-May-Verlag Lothar Schmid GmbH", seit 2007 unter "Karl-May-Verlag GmbH" und ergänzte sein Verlagsprogramm um Großbände im quadratischen Format: den Karl-May-Atlas von Hans-Henning Gerlach, das Karl-May-Filmbuch und die Karl-May-Stars von Michael Petzel, Karl May und die Musik von Hartmut Kühne und Christoph F. Lorenz, Auf Winnetous Spuren von Thomas Jeier, Karl May am Kalkberg von Reinhard Marheinecke und Nicolas Finke, die Karl-May-Bibliografie 1913-1945 und Traumwelten I-III von Wolfgang Hermesmeier und Stefan Schmatz, Auf Karl Mays Fährte von Reinhard F. Gusky und Willi Olbrich sowie Mit Kara Ben Nemsi durch den Orient von Karlheinz Eckardt. Zum 90-jährigen Verlagsjubiläum präsentierte die Schauspielerin Marie Versini in ihrer Autobiografie Ich war Winnetous Schwester Bilder und Geschichten aus ihrer Karriere. Als Größter unter den Großbänden erschien 2007 die Bild-Biografie Karl May und seine Zeit von Gerhard Klußmeier und Hainer Plaul mit 592 farbigen Seiten im DIN A 4-Format. |
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Michael Bully Herbigs Comedy-Buch Der Schuh des Manitu, das Buch zu dem gleichnamigen ungewöhnlich erfolgreichen Kinofilm, erschien 2001 im Karl-May-Verlag.
Auch den neuen Publikationsformen stellt sich der Karl-May-Verlag: So sind alle Gesammelten Werke und weitere Publikationen auch als Ebook erhältlich! |

















