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Zu den Bearbeitungen im Werk Karl Mays

In allen Buch- und Zeitungsverlagen gibt es seit jeher Lektoren, die Arbeiten auch bekannter Schriftsteller und Journalisten auf Fehler und Flüchtigkeiten aller Art überprüfen, sich manchmal auch mit Weitschweifigkeiten und Umfangskorrekturen beschäftigen. Zum Beispiel wurden Mays Manuskripte vom Regensburger Pustet-Verlag in der Zeitschrift "Deutscher Hausschatz" verändert – teilweise in erheblichem Ausmaß.

Dr. Euchar Albrecht Schmid, der Mitbegründer des Karl-May-Verlages, ist im Karl-May-Jahrbuch 1926 mit seinem Beitrag "Die verfälschte Handschrift" insbesondere auf die Praxis des ersten May-Verlegers Heinrich Münchmeyer in Dresden eingegangen, der ohne Wissen des Autors in dessen Kolportageromane "Das Waldröschen", "Die Liebe des Ulanen", "Der verlorene Sohn", "Deutsche Herzen, deutsche Helden" und "Der Weg zum Glück" ganze Passagen neu einfügen ließ und damit die zulässigen Grenzen weit überschritt. Karl May hat in seinem letzten Lebensjahrzehnt gegen diese von ihm nicht gewünschten Veränderungen protestiert und prozessiert. Er bezeichnete die Texte als Fälschungen, die er für immer aus dem Buchhandel verbannen wollte. (Näheres dazu in: Karl May, "Ein Schundverlag". Dresden 1905. Reprint im Karl-May-Verlag, Bamberg 1982. Eine Zitatensammlung daraus findet sich im Anhang.)

Nur die Manuskripte Karl Mays, wovon leider nur wenige erhalten geblieben sind, können als zuverlässige Beweismittel herangezogen werden, dazu natürlich auch die nachweislich von ihm selbst überarbeiteten und nach dem Druck überprüften Bücher. Alle sonstigen Veröffentlichungen geben von vornherein keine endgültige Gewißheit.

Bei der Aufnahme vieler ursprünglich in Zeitschriften erschienener Erzählungen in die Gesammelten Werke hat May selber zahlreiche Korrekturen vorgenommen, um die Handlungsstränge und Zeitfolgen möglichst aufeinanderabzustimmen. Bei seinem Tode 1912 waren diese Arbeiten noch nicht abgeschlossen. Hier setzten die Aufgaben des Karl-May-Verlages ein.

Klara May, die Witwe des Schriftstellers, und der kämpferische Karl-May-Verehrer und -Verteidiger E. A. Schmid, die zusammen mit dem früheren Verleger F. E. Fehsenfeld 1913 den neuen Verlag gründeten, sind den Vorstellungen und Wünschen Karl Mays mit aller Sorgfalt nachgekommen. Die von May geplante, aber durch seinen Tod vereitelte Neugestaltung der Münchmeyer-Romane stellte dabei die schwierigste Herausforderung dar. Bereits in einem Brief vom 19. Februar 1906 hatte Karl May diesbezüglich an F. E. Fehsenfeld geschrieben: "Ich habe seinerzeit und wiederholt gesagt, daß diese Romane mir gehören, daß ich sie Münchmeyer nicht für immer gegeben habe, sondern daß sie für meine ,Gesammelten Werke‘ bestimmt sind und daß Sie es also sind, der sie bekommen wird." Er selber konnte diese Pläne leider nicht mehr verwirklichen.

Als Erbin der Urheber- und Urheberpersönlichkeitsrechte hielt Frau May am 21. August 1930 vertraglich folgendes fest: "Ich erkläre mich ausdrücklich damit einverstanden, daß der Mitinhaber und verantwortliche Geschäftsführer Dr. jur. Euchar Albrecht Schmid, unterstützt von den Mitarbeitern seiner Wahl, an den Werken meines verstorbenen Mannes, des Schriftstellers Karl May, alle nötigen Verbesserungen und Überfeilungen bewirkt. Die von Dr. Schmid und seinen Mitarbeitern vorgenommenen Bearbeitungen, die Karl May selber nicht mehr vornehmen konnte, haben als einzig giltige und rechtmäßige Ausgabe letzter Hand, als editio ne varietur zu gelten."

Dr. E. A. Schmid schrieb dazu Anfang der 30er Jahre in einem zu seinen Lebzeiten unveröffentlichen Aufsatz: "...sie bedurften einer sorgfältigen Durchfeilung, Bearbeitung und Verbesserung ... wobei ich mich oft auf meine sich von Fall zu Fall sogar bis in kleine Einzelheiten erstreckende Unterredungen mit Karl May stützen konnte." (Postum erschienen in der Einleitung zum Reprint "Deutsche Herzen, deutsche Helden", Karl-May-Verlag, Bamberg 1976.)

Über den Erfolg dieser mühsamen Arbeit urteilte u.a. der bekannte May-Forscher Walther Ilmer: "Seit ich die Originale kenne, weiß ich die Bearbeitungen zu schätzen." (Beilage zu den Mitteilungen der Karl-May-Gesellschaft Nr. 20, 1974, Seite 11)

Aber nicht nur die Kolportageromane verlangten nach einfühlender Bearbeitung, sondern beispielsweise auch die sechs Jugenderzählungen, die zuerst im Stuttgarter Union-Verlag erschienen waren. In diesem Falle wurden vor allem die seinerzeit oft kritisierten überlangen Dialoge und allzu ausgedehnten Dialektproben eingekürzt, zumal die Texte zu umfangreich waren für die einheitliche Gestalt der Gesammelten Werke.

"Diese ganze Kürzung wurde unter Wahrung der Idee und der Stilistik und mit voller Pietät vorgenommen; sie war übrigens bereits von May selbst, der ja die Bände schon immer zurückerwerben wollte, beabsichtigt." (Dr. E. A. Schmid in einem Brief an Redakteur Heine, Hannover, vom 17.02.1914)

Schließlich wurden auch im Gesamtwerk alle logischen und sachlichen Fehler bereinigt, die May bei seiner Arbeit hin und wieder unterlaufen waren. Sachkundige Experten, die durchaus Detailfragen der Bearbeitung kritisierten, äußerten sich über das Gesamtergebnis positiv, wie beispielsweise Prof. Dr. Karl Konrad Polheim:

"Wenn E. A. Schmid nun bestrebt war, Mays Werke zu vereinheitlichen, so konnte er sich also durchaus als Vollstrecker dessen fühlen, was May erklärt und begonnen hatte. ... Es ist wohl als sicher anzunehmen, daß er damit den Autor May rettete, vielleicht auch vor dem halben oder ganzen Vergessenwerden bewahrte, das Autoren wie Gerstäcker oder Möllhausen traf, und jedenfalls die Grundlage für die weitere und um so viel größere Ausstrahlung der Werke Mays schuf. ... In der Tat konnte er sich in vielem auf May selbst berufen." (Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 1988, Seiten 47, 48 und 49)

Die Bearbeitung der zentralen Handlungsstränge des Kolportageromans "Der verlorene Sohn" unter den Titeln "Das Buschgespenst" und "Der Fremde aus Indien" rundete 1939 das Lebenswerk des Karl-May-Verlegers E. A. Schmid ab. Roland Schmid gab ab 1958 die Bände 66-73 heraus, Lothar Schmid ab 1985 – und seit 1995 zusammen mit seinem Sohn Bernhard – die Bände 74-78.

Hans Wollschläger war von Beginn der 50er Jahre an insgesamt 17 Jahre lang als Lektor und Mitarbeiter der literarischen Abteilung im Karl-May-Verlag tätig und hat die notwendigen Bearbeitungen in der ihm eigenen Weise vorzüglich mitbestimmt und durchgeführt. Auf seinen Wunsch hin war sein Name nicht im Impressum genannt worden.

Seit Beginn der 80er Jahre hat der Karl-May-Verlag die 33 Bände der Freiburger Erstausgabe als bis ins kleinste sorgfältig gestaltete Reprints neu herausgegeben, um Forschern, Liebhabern und Sammlern entgegenzukommen. Die Gesamtzahl der Faksimiles geht inzwischen auf die 60 Bände zu.

Karl May zu den fünf Münchmeyer-Romanen

Zitate aus Karl May: "Ein Schundverlag"

"Diese unsittlichen Werke zunächst und so schnell wie möglich aus dem Buchhandel und aus den Verkaufsläden heraus, das ist für mich die Hauptsache." (S.266)

"Ich führe den bekannten Prozess zu keinem anderen Zwecke, als um dieses fürchterliche Gift (= die fünf Romane) zu vernichten, an dem die ethische Gesundheit unserer Volksseele zugrunde gehen muß." (S.271)

"Weg, sofort weg mit dieser Münchmeyerschen Eiterbeule! Herausgeschnitten muss sie werden und vernichtet für immer!" (S.272)

"Ich prozessiere gegen die weitere Verbreitung dieses Giftes und hoffe, dass es mir gelingt, es aus der Welt zu schaffen." (S.275)

"Nehme ich meine damalige Arbeit jetzt in die Hand, so erkenne ich sie kaum wieder. Das ist nicht jener wohlbedacht artikulierte Leib, in welchem meine Seele zum Leser sprechen sollte." (S.375)

"...von Schritt zu Schritt bemerke ich mehr und mehr, dass sich fremde Geister in dieses Werk geschlichen haben. Ich stosse auf Fäden, die ich nicht kenne, auf Spuren, die nicht von meiner Psyche, sondern von anderen Seelen stammen. Ich entdecke Münchmeyers wohlbekannte Stapfen und höre seine Schritte förmlich hallen. Sein rührseliges Schluchzen. Sein halblautes, verliebtes Lächeln. Das Tätscheln frischer Wangen. Die satte Deutlichkeit in der Beschreibung weiblicher Reize. Redewendungen, die nur ihm allein eigen waren." (S.377)

"Ich schenkte der Firma H.G. Münchmeyer das Vertrauen, ihr die Vervielfältigung meines literarischen Leibes für 20.000 Leser zu überlassen, ... . Die Firma Münchmeyer aber fälschte diesen Leib und belebte ihn mit der eigenen und mit 'Herrn Walters' Seele." (S.377/378)

"Herr Fischer tat dasselbe; ... er liess es (= das 'Waldröschen') von einem gewissen Staberow noch weiter umarbeiten, und zwar ohne die geringste Spur von Erlaubnis meinerseits." (S.393)

Zitate aus Karl May, "Ein Schundverlag und seine Helfershelfer" (s.o.):

"Und das ist es, was Karl May will: Seine Leser sollen sich zu Edelmenschen erheben, um befähigt zu werden, Mit-Schöpfer und Mit-Lenker der Völkerschicksale zu sein. Einen Autor, der solche Zwecke und solche Ziele verfolgt, bis herab zum 'Kolportage-Schriftsteller' zu degradieren, das konnte nur einem 'Schundverlag' mit seinen Fälschungen gelingen!" (S.82)

"Man hatte sie (= die fünf Romane) verändert, aus belehrenden Reiseromanen in aufregende Kolportage verwandelt. Das ist durch Zeugen mehr als genugsam erwiesen." (S.88)

"...unglaubliche Unterschlagungen, Betrügerein und Fälschungen..." (S.88)

"Man beschloss also, die fünf Romane Karl Mays in Schundromane umzuwandeln und seine Originalmanuskripte zu verbrennen." (S.91)

Karl May in einem Brief vom 01.07.1908:

"Die Firma H. G. Münchmeyer hat Jahrzehnte lang werthlose Fälschungen als meine Originalromane ausgegeben und verkauft und mich dadurch um Hunderttausende betrogen. Adalbert Fischer hat in Millionen von Reklameblättern die Lüge verbreitet, daß diese Fälschungen meine ureigensten Originale seien, in meiner besten Schaffenskraft geschrieben."